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Organische Farbigkeit

„Vertraut ist das Gegenteil von modern,“ so der Farbgestalter Friedrich Ernst v.Garnier, der bereits seit den 1970er Jahren dafür eintritt, „gebaute Lebenslandschaften“ klanghaft farbig zu gestalten, um dem Menschen Vertrautheit, emotionale Sicherheit und Stärkung sowie persönliche Bezugnahme zu vermitteln.
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 Ob Stahlfassaden, wie hier in Bornheim
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 ... und Andernach,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 ... bemalter Beton,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 ... bemalter Putz,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 oder vorgehängte Fassaden: Farbe braucht kleine Flächen,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 1 ... um im menschlichen Maßstab Klang zu entfalten.

Bilderserie oben: Farbgestaltungen Friedrich Ernst von Garniers. Der Klang nimmt Beziehung zur Umgebung auf und macht das Bauwerk „dialogfähig“: Statt einseitiger Selbstdarstellung geht es um differenziert gestaltete Nachbarschaft.

Friedrich Ernst v.Garnier und die „Organische Farbigkeit“

Von Garnier, an dessen Werk sich dieser Aufsatz orientiert, sieht als Farbgestalter in der Gebäudehülle nicht den Abschluss eines Bauwerks, sondern den Ausgangspunkt, von dem aus es in den Raum hinein strahlt und dessen Atmosphäre verändert. Zwar prägt Farbgestaltung auch die Erscheinung des Bauwerks selbst, dessen Wände sie als Reflektoren nutzt; mehr noch prägt sie den Raum zwischen den Wänden, in denen Menschen leben, und den sie stimmungsmäßig charakterisiert. Von Garnier hat den Begriff der „Organischen Farbigkeit“ geprägt; deren Ziel ist nicht, Natur wiederherzustellen, sondern dem Raum vertraute seelische Qualitäten zu geben, ohne die der Mensch auf Dauer nicht lebensfähig ist, und die allein aus der Intellektualität gebauter Zwecklandschaften nicht bezogen werden können. „Wo die Natur ihre Farbigkeit dauerhaft verliert, wird sie karg und unwirtlich“, so v.Garnier, „Architektur ohne Farbe kann im Einzelfall elegant und reizvoll sein. In unkontrollierter Menge jedoch spiegelt sie Unwirtlichkeit und Menschenferne.“ Das Knallbunte jedoch ist keine Alternative zum Farblosen, denn es geht nicht um hemmungslose Selbstdarstellung, sondern die atmosphärische Integration des Gebäudes mit seiner Umgebung. „Klangvolle Farbigkeit“ an Fassaden bzw. Gebäudehüllen zu entwickeln, setzt voraus, dass man Bezug auf die Umgebung und auf ihre Lichtstimmung nimmt.

Was ist „Lichtstimmung“?

In der Natur tritt keine Farbe isoliert auf, sondern steht immer in einem Wechselspiel mit anderen Farben. Im Bild einer Landschaft entwickelt sich dieses Farbenspiel zwischen den Körperfarben (die vor allem durch die geografische Lage, entsprechende Gesteine, Böden, Vegetation etc. gegeben sind) und dem Licht, das die Körperfarben sichtbar macht. Die Gesamtheit des farbigen Eindrucks soll Lichtstimmung genannt werden. Sie ist um 7 Uhr morgens anders als um 11 Uhr vormittags, das „Licht der Toskana“ webt in anderen Farbnuancen als das des Schwarzwaldes, und unter Birken herrscht eine andere Stimmung als unter Kastanien.

Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 2 Die Lichtstimmung zum Zeitpunkt der Aufnahme ist im Foto als Farbstimmung fixiert.
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 2 Das daraus entwickelte Mosaikbild gibt einen Farbauszug wieder.
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 2 Durch Umgruppierung und Vereinfachung ergibt sich eine systematisch geordnete Farbpalette,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 2 ... mit deren Hilfe auch freiere Kompositionen erstellt werden können.

Eine „impressionistische Farbenordnung"

Innerhalb einer Lichtstimmung sind alle Farben miteinander verwandt. Dieses verwandtschaftliche Zusammenklingen beruht auf verschiedenen Gesetzmäßigkeiten, die bereits zur Zeit des Impressionismus entdeckt und beschrieben wurden:

1. Die Körperfarbe fast aller Naturdinge ist polychrom abgestuft.
2. Sie wird nach Art des Beleuchtungslichts (seiner Farbe, Intensität, Ausbreitung) eingefärbt.
3. Gegenstände reflektieren Licht, verändern es gemäß ihrer Eigenfarbe und beleuchten so andere Dinge farbig.
4. Die Farberscheinung ändert sich mit dem Einfallswinkel des Lichts, dabei erscheint die Eigenfarbe aufgehellt (verweißlicht) bzw. abgedunkelt (vergraut), bis hin zu Weiß und Schwarz.
Schatten“)5. Gegenstände werfen Schatten auf andere Gegenstände, die nicht nur zur Abdunklung deren farbiger Oberfläche führen, sondern auch zur Beleuchtungsfarbe komplementäre Nuancen mit ins Spiel bringen („Farbige
6. Je nach Blickrichtung, Betrachterabstand, Betrachtungsdauer und anderer Variablen im Wahrnehmungsvorgang ändert sich der farbige Eindruck einer Szenerie.
7. Ein steter Wechsel in der Zeit entzieht sich ebenso einer genauen Beschreibung wie unzählige Bewegungs-, Kontrast- und Überlagerungsphänomene.

Die oben stehenden Bilder veranschaulichen das Prinzip, wie aus einer natürlichen Lichtstimmung eine Farbauswahl (Farbpalette) entwickelt werden kann. Dem gegenüber ist die Lichtstimmung unserer Städte meistens monoton grau – oder übertrieben bunt (siehe die unten stehenden Bilder). Das hat damit zu tun, dass schon bei der Auswahl der Farbtöne kein Bezug genommen wird auf die oben genannten Gesetzmäßigkeiten, nach denen natürliche Lichtstimmungen entstehen.

Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 3

Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 3 Trostlos und Knallbunt: seelenloses Bürohochhaus in grauer Grundstimmung ...
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 3 ... und brüllend rotes Wohn- und Geschäftshaus (links: Georg-Brauchle-Ring, München, rechts: Theresienhöhe, München)

Wände sind Reflektoren für Licht

Der Prozess „von der Lichtstimmung zur Farbpalette“ wird durch die farbigen Wände eine Bauwerks umgekehrt. Das Bauwerk selbst ist ein Teil einer Landschaft, der industriellen, dörflichen oder städtischen Umgebung, und seine Wände sind Reflektoren für Licht im Raum: Sie wirken zurück auf die Lichtstimmung, sie tragen maßgeblich dazu bei, die Lichtstimmung des Raums zu definieren, von dem sie ein Teil sind. Je größer ein Bauwerk ist und je näher ein Betrachter davor steht, umso eindeutiger prägt dessen Farbigkeit die Lichtstimmung. Farblich kaum differenzierte Architekturgestaltungen fallen dadurch auf, dass sich die Farbigkeit der Bauwerke verselbständigt, ohne am differenzierten Spiel natürlicher Lichtstimmungen teilzunehmen: Die Farbstimmung des Bauwerks koppelt sich von der Lichtstimmung der Umgebung ab. Es entstehen Umgebungen, die, gemessen an der reich differenzierten Farbigkeit der Natur, eine störende Einseitigkeit zeigen, die dem an fein abgestufte, vielfältige Nuancen gewöhnten Auge wenig Möglichkeiten individueller Auseinandersetzung bietet.

Je einseitiger die Gestaltung ist, umso einseitiger reagiert sie auch auf wechselnde Lichtverhältnisse: Wird ein monochrom rotes Gebäude von der Abendsonne rot angestrahlt, kann es noch mächtiger wirken; ein grünes Gebäude verliert seine Farbigkeit hingegen fast vollständig. Die infolge einer Belichtungsänderung eintretenden Farbverschiebungen einzelner Farbtöne an polychromen Gebäuden hingegen können sich meist gegenseitig weitgehend kompensieren, Tiefe und Klanghaftigkeit bleiben erhalten.

Bilderserie: Die blaue Stunde: Farbveränderungen im Abendlicht einer bläulich monochromen und einer polychromen Fassade.

Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 4 Während bei der Lichtänderung die monochrome Fassade flach wirkt
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 4 ... und ihren Farbcharakter verliert,
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 4 ... bleiben Struktur und Ausdruck der polychromen Fassade
Bild: Architekturfarben Gestaltungslehere Organische Farbigkeit Bilder 4 ... weitgehend erhalten.

Farbe - Form - Material - Funktion

Natürliche Lichtstimmungen sind für den Farbgestalter eine Grundlage, um „vertraute Farbklänge" zu entwickeln. Die Frage, wie die einzelnen Farbtöne solcher Klänge auf ein Gebäude bezogen werden (Vergrauung, Flächengröße, Rythmus, Proportion...) bedarf besonderer Betrachtung.
Mehr dazu in „Martin Benad: Architekturfarben. Lehre der Farbgestaltung nach Friedrich Errnst von Garnier. Mit Beiträgen von Jürgen Opitz.

Text: Martin Benad, Grafiken: Jürgen Opitz, Fotos: Jürgen Opitz, Martin Benad, Friedrich Ernst v.Garnier
Farbgestaltungen (Bilder 1 bis 6): Friedrich Ernst v.Garnier