Architekturfarben

  1. Die Menschen empfinden im Allgemeinen eine große Freude an der Farbe.
    Das Auge bedarf ihrer, wie es des Lichtes bedarf. (J.W.Goethe)

  2. Der primäre Gegenstand der Wahrnehmung sind die Atmosphären...
    Die Atmosphäre ist die gemeinsame Wirklichkeit des Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen. (Gernot Böhme)

Treffender als mit Gernot Böhme in seinem Buch "Atmosphäre" (Suhrkamp, 1995) und Johann Wolfgang Goethe (Farbenlehre, 1810, § 759) können wir nicht erklären, warum wir mit großem Engagement als Fachplaner für Farbe tätig sind. Wir können nur versuchen, es kürzer zu sagen:

- Wir möchten, dass Menschen in der Atmosphäre Ihres Gebäudes gerne leben.
- Wir möchten, dass Ihr Gebäude Freude verbreitet.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte auch unsere Seite www.farbenplanung.de.

Der Bereich Architekturfarben wurde über ein Jahrzehnt gemeinsam von Martin Benad und Jürgen Opitz, (Architekt Dipl.-Ing. FH) betreut. Herr Opitz ist am 3.8.2017 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren gestorben.

Nachruf: Jürgen Opitz

Alles, was Sie in der Rubrik „Architekturfarben“ auf unserer Webseite finden, ist durch die Freundschaft und enge Zusammenarbeit mit Jürgen Opitz entstanden. Und natürlich noch viel mehr...

Wir wurden zusammengeführt durch die Begeisterung für die Farbgestaltungen und Anschauungen von Friedrich Ernst von Garnier und arbeiteten uns mit allen Kräften in das Lebenswerk von Garniers ein, der uns stets ein Gönner war. Jürgens intuitive Art, jenseits des Messbaren Zusammenhänge zu erspüren und spontan in Worte zu fassen, begegnete dabei meinem gewissenhaftes Streben, Gespräche schriftlich zu protokollieren, und so entstanden weite Teile der Bücher „Architekturfarben“ und „Farbgestaltung Innenraum“ als inspirierte Gemeinschaftsproduktion.

Das ist eine Seite, die ich an Jürgen kennen- und schätzen lernte: Die Fähigkeit, in der spontanen Gegenwart eines Gesprächs Inspirationen zu schöpfen und auf seinen Gesprächspartner zu übertragen. Ich habe unzählige beglückende Gespräche dieser Art mit Jürgen führen dürfen, oft zu nächtlicher Stunde im Münchner „Preysinggarten“, und nach Schließung der Lokalität im Atelier...

Eine andere Seite könnte gegensätzlicher nicht sein: die Fähigkeit des technisch-analytischen Sachverstands, verbunden mit der ständigen Experimentierfreude, die Möglichkeiten von Software auszureizen und programmübergreifend zu kombinieren. Das Buch „Farbgestaltung am Computer“ fasst zusammen, was Jürgen sich über viele Jahre in den Bereichen digitale Bildbearbeitung, Visualisierung und Farbmanagement erarbeitet hatte. (Meine Aufgabe als Autor war lediglich das Nachfragen und Aufschreiben.) Doch das Veröffentlichte stellt nur einen Bruchteil seiner Kompetenzen dar, deren Schwerpunkt im Bereich 3D-Modellierung und Rendering lag. Aber es ging ihm um mehr als "nur" den digitalen Modellbau, die Texturierung und Befarbung der Oberflächen und das Erzeugen entsprechend farbtreuer Renderings: Immer wieder wies er darauf hin, dass sich Farbe als interaktives Phänomen in handkolorierten Architektenplänen nicht angemessen darstellen lasse. Erst im komplexen 3D-Modell könne die Wirkung vorausschauend visualisiert werden – um die Qualität des Entwurfs zu überprüfen und diesen gegebenenfalls zu verändern. Jürgen war nicht nur Zeuge, sondern Mitgestalter dieser digitalen Revolution: Mit verschiedenen Software-Entwicklern war er im Gespräch, testete noch nicht auf dem Markt befindliche Versionen und schlug Verbesserungen vor… Das übergeordnete Ziel verlor er dabei nie aus den Augen: Die digitale Technik verleiht dem Gestalter alle Möglichkeiten, die er zum Arbeiten braucht, um die „Vision einer klanghaften Farbigkeit“ in der gebauten Umgebung Wirklichkeit werden zu lassen. Tief beglückt berichtete mir Jürgen immer wieder von den stetigen Verbesserungen seiner digitalen Arbeitsumgebung, und dass die Barrieren zwischen Farbempfinden, künstlerischer Idee, Entwerfen, Gestalten, Visualisieren und baulicher Realisierung zunehmend kleiner werden. Was wäre hier noch alles möglich gewesen!

Die dritte Seite: der Künstler. Dass Jürgen als Architekt zahlreiche Skizzenbücher mit Zeichnungen füllte und regelmäßig an entsprechenden Weiterbildungen teilnahm, zeugt von seiner künstlerischen Sensibilität und Schaffensfreude. Die Kunstwerke jedoch, die er in seinen späten Jahren auf dem Gebiet der Farbe schuf – seine Synchromien – stellen in meinen Augen einen künstlerischen Durchbruch dar, der eine weit größere Rezeption verdient, als seine Werke zurzeit genießen. Zunächst übertrug er Farbstimmungen von Landschaften in abstrakte Farbklänge, die im Sinne einer „klanghaften Farbigkeit“ die Seele des Betrachters unmittelbar anzusprechen vermochten. Hier klingt die Beschäftigung mit den Gestaltungszielen Friedrich Ernst von Garniers nach. Später wurden die Farbklänge freier und lösten sich stärker vom natürlichen Ursprung. Lichtstrahlen gleich scheinen sich die verschiedenen Farbebenen seiner geometrischen Bildkompositionen zu durchwirken und durch komplexe Interaktionen ständig zu verändern. Jedes seiner Bilder lässt sich als rhythmisch-musikalische Komposition sehen  und hören. Den am Computer erstellten Entwurf setzte er in tage- und wochenlanger Arbeit in händisch ausgeführte Malereien mit Künstler-Acrylfarben um. Einen regen Austausch pflegte er mit den Künstlern Martin Minde und Wolfram Jensch.

Jürgen und ich hatten oft das Gefühl: Wir stehen am Anfang. Der Farbenkosmos beginnt gerade, sich zu öffnen, und wir erahnen die gewaltigen Möglichkeiten, die sich in den nächsten Jahren durch eine fortschreitende Technik immer weiter auftun.

Ich schätze mich glücklich, dass ich mit Jürgen zu all diesen Themen mehr als ein Jahrzehnt intensiv Austausch pflegen durfte und unzählige Impulse erhielt, die mein Leben veränderten. Meine Dankbarkeit bezieht sich gleichermaßen auch auf die praktischen Aspekte unserer Zusammenarbeit: Gemeinsam „stemmten“ wir unseren ersten großen Gestaltungsauftrag für ein umfangreiches Gebäudeensemble im Berliner Osten, schrieben zusammen drei Bücher, und von Beginn an war Jürgen Dozent für Perspektive an der Akademie für Wandmalerei.
Jürgens wegweisende Impulse als Farbgestalter sind gerade dabei, sich im größeren Umfang zu entfalten – just in dem Moment musste er seine Lehrveranstaltungen an der FH Dortmund einstellen und Vortragseinladungen an andere Hochschulen und Ausbildungsstätten absagen. Der Aufbruch in einer „farbigere Welt“ wird für Jürgen zum Aufbruch in eine neue lichthafte Dimension.

Danke, lieber Jürgen, für die gemeinsame Zeit!

Das ganze Spektrum farbiger Außenräume

Wir kopieren die Natur nicht. Wir spüren ihr nach.

„Vertraute Umgebungen“ statt unwirtlicher Städte

Die Natur kennt keine eintönigen Großflächen. In der Architektur kommen sie hingegen oft vor, zum Beispiel als weiß gestrichene oder betongraue Fassadenflächen. Sie wirken auf viele Betrachter abweisend, trist, befremdlich.
Wir arbeiten gern mit Mehrfarbigkeit (Polychromie), um die Erscheinung eines Gebäudes für die Empfindung zu rhythmisieren und zu beleben. Wir stimmen die Mehrfarbigkeit in gleichsam musikalischen Klängen fein ab, die sich an den Gesetzen natürlicher Farbklangbildung orientieren. Mit Hilfe solcher Klänge übersetzen wir räumliche (serielle) Bauraster in zeitliche (rhythmische) Prozesse.
Eine so verstandene an der Natur orientierte „organische Farbigkeit" hat nichts mit sanften Verläufen oder „natürlichen“ Formen zu tun, denn die Farbgebung folgt den klaren Formprinzipien der Architektur. Doch sie erzeugt eine Anmutung, die natürlich erscheint und dem Betrachter emotional näher steht als eine unstrukturierte Großfläche. So wirken wir vor allem bei monotoen Zweckbauten seelischer Entfremdung entgegen.

1. Technisch geplant für eine Welt jenseits der Sinne

1. Technisch geplant für eine Welt jenseits der Sinne

2. Die Farbigkeit des Bergpanoramas zeigt eine natürliche, dem Menschen vertraute Farbordnung von hellen  und dunklen, kühlen und warmen, kräftigen und vergrauten Tönen.

2. Die Farbigkeit des Bergpanoramas zeigt eine natürliche, dem Menschen vertraute Farbordnung von hellen und dunklen, kühlen und warmen, kräftigen und vergrauten Tönen.

3. Wir reduzieren das Landschaftsbild auf eine begrenzte Anzahl klar abgestufter mosaikartig angeordneter Farbtöne.

3. Wir reduzieren das Landschaftsbild auf eine begrenzte Anzahl klar abgestufter mosaikartig angeordneter Farbtöne.

4. Die Farbstimmung des Mosaikbilds wird auf die Formprinzipien der baulichen Struktur bezogen. Einzelne Farbtöne werden stärker gewichtet, andere zurück genommen und die Gesamtzahl reduziert. Die wellige Form unserer Visualisierung soll zeigen: „Die Landschafts-Stimmung weht an das Gebäude heran...“

4. Die Farbstimmung des Mosaikbilds wird auf die Formprinzipien der baulichen Struktur bezogen. Einzelne Farbtöne werden stärker gewichtet, andere zurück genommen und die Gesamtzahl reduziert. Die wellige Form unserer Visualisierung soll zeigen: „Die Landschafts-Stimmung weht an das Gebäude heran...“

5. Wir haben kein Bergpanorama auf die Wand gemalt; die Wand ist auch optisch eine Wand geblieben. Weder eine tarnende Mimikri noch eine auffällige Dekoration würden der baulichen Situation gerecht. Nur die Stimmung hat sich geändert. Sie ist„näher am Menschen“, weil sie seinem Bedürfnis nach natürlichen und vertrauten Umgebungen entgegen kommt.

5. Wir haben kein Bergpanorama auf die Wand gemalt; die Wand ist auch optisch eine Wand geblieben. Weder eine tarnende Mimikri noch eine auffällige Dekoration würden der baulichen Situation gerecht. Nur die Stimmung hat sich geändert. Sie ist„näher am Menschen“, weil sie seinem Bedürfnis nach natürlichen und vertrauten Umgebungen entgegen kommt.