Der Künstler

"Wanja Belaga könnte der perfekte Schwiegersohn sein, wenn da nicht sein unverständlicher und absolut unbürgerlicher Lebenslauf wäre“ – schreibt nach einem Festivalkonzert die Neue Osnabrücker Zeitung. Und die Jazzzeitung berichtet:

„Das aus einer Moskauer russisch-jüdischen Intellektuellenfamilie stammende Multitalent begann als Wunderkind: Schrieb Texte in einem Alter, in dem andere gerade lesen lernen; malte und hatte mit sechs seine erste öffentliche Ausstellung; wurde noch im selben Jahr an der Moskauer Musikschule angenommen, weil auch ein geniales pianistisches Talent offenkundig war. Doch bald geriet die Familie ins Visier des Sowjetregimes. Als Belaga elf war, wurden sie ausgewiesen, als staatenlose politische Flüchtlinge landeten sie in München. Und Belaga tummelte sich: Er war Fotomodell, Fotograf und Klosternovize, arbeitete am Bau, betreute Behinderte und betrieb eine Reiseagentur. In den frühen Neunzigern begann er mit der Organisation von Partys, Bällen und Festivals („Münchner Nächte“), wurde eine Gründerfigur der Techno-Bewegung, dann Club- und Diskothekenbetreiber, unter anderem des „Prager Frühlings“ und zuletzt der heute fast schon legendären „Monofaktur“. Nach deren Ende konzentrierte sich Belaga eine Zeit lang ganz auf sein Klavierspiel – wobei er auch den Jazz für sich entdeckte – und die Malerei.“

Wanja Belaga selbst bestreitet ein Wunderkind gewesen zu sein, auch behauptet er bereits mit 9 Jahren in Wien angekommen zu sein und nicht erst mit 11. In jedem Fall aber spielt er sehr gerne Klavier und schreibt ebenso gerne Kurzgeschichten. Seit einigen Jahren hat er auch das Kochen für sich entdeckt.

Der Abend

An diesem Abend improvisiert er am Fortepiano, spielt aber auch tolle kleine Kostbarkeiten jüdischer Pianomusik, liest kurzweilige Anekdoten aus seinen Geschichten vor und kocht für uns einen russisch-ukrainischen Borschtsch in einer modernen bayerischen Variante: vegan und sommerlich kalt gestellt. Dazu serviert er einen Münchner Salat mit osteuropäischen Akzenten.

Was Sie sonst erwartet? Zitieren wir noch einmal die Neue Osnabrücker Zeitung:
„War das an diesem Abend Wahnsinn und Genie oder Geschwätzigkeit und Scharlatanerie? Wahrscheinlich war von allem etwas dabei“

Moskauer Nacht im Atelier Benad, 1.12.2022, 20 Uhr
Der Eintritt ist frei. Künstler und Veranstalter bitten um eine Spende zur Kostendeckung.

Bild: Moskauer Nacht im Atelier Benad, 8.7.2022, 20 Uhr

Warum spielt Wanja Belaga im Atelier Benad? Weil er dort auch malt - als Student der Akademie für Wandmalerei. Im Atelier steht ein Klavier, und Wanja hat in einer Malpause mal improvisiert...