Texte und Bilder aus dem Wettbewerbsbeitrag von Solenn Borchers
Bild 1: Haupteingang Winter
Die Pinakothek der Moderne in München, von Stephan Braunfels entworfen und 2002 fertiggestellt, zeichnet sich durch eine moderne, offene und großzügige Architektur aus. Sichtbeton und Glas dominieren im Fassadenbereich – im Innenraum prägen weiss verputzte Wände und zurückhaltender Terazzoboden das Bild, ohne mit der ausgestellten Kunst in Konkurrenz zu treten.
Auch wenn das Gebäude sehr stimmig wirkt, macht es aufgrund des reduzierten Einsatzes von Material und Farbe einen kühlen, fast kargen Eindruck auf den Betrachter – es erscheint damit distanziert und wenig einladend. Der achsensymmetrische Aufbau des Museums, mit den beiden auf den ersten Blick übereinstimmenden Eingängen, verstärkt diese Wirkung noch. Bereits ein kleiner Farbakzent in der Fassade würde den klar strukturierten, vom Schalungsabdruck geprägten grauen Sichtbeton-Oberflächen zu mehr Freundlichkeit verhelfen. Mein Vorschlag einer farbigen Neufassung der Pinakothek der Moderne sieht daher folgendermaßen aus.
Die filigranen und besonders hohen Säulen, die sich vor beiden Eingängen befinden (sowohl im Südosten als auch im Nordwesten), sind in einem dunklen, nahezu schwarzen Grauton deckend gestrichen. Dies verleiht ihnen etwas mehr Gewicht; sie heen sich so vom Grau des Sichtbetons ab und geben dem Gebäude eine neue Strukturierung, einen Takt. Auf diese Weise passen die Säulen außerdem zum Bild der dunklen Fensterrahmen mit ihren eingefärbten Gläsern.

Bild 2: Haupteingang
Die recht dominierende, diagonale Achse, die das Museum bestimmt, ist ein weiterer Ansatzpunkt. Diese Wand, diagonal zum Gesamtkörper gesetzt, beginnt an beiden Eingangsseiten im Außenbereicht und führt den Besucher in den Innenraum bis hin zur zentralen Museumshalle, der Rotunde. Am Übergang von außen nach innen jedoch wechselt momentan das Material von grauem Sichtbeton hin zu einer weiß verputzten Oberfläche im Innenraum. Durch diesen Materialwechsel kommt es zu einem Bruch in der sehr massiven und plastischen wirkenden Wand – man hat nicht das Gefühl, dass diese wirklich bin in die Rotunde hinein ragt. Mein Vorschlag ist es nun, den Sichtbet5on-Bereich der diagonalen Wand im Weiß des Innenraumes zu behandeln. Diese fast deckende Lasur soll unregelmäßige Betonverfärbungen kaschieren, die Schalungsabdrücke im Sichtbeton aber sichtbar belassen, um die Verbindung zur Fassade beizubehalten. Damit wird eine Wand geschaffen, dien den Besucher vom äußeren Museumsbereich zur Rotunde hin begleitet bzw. das Weiß des Inneren bis hin auf die Fassade weiterführt.

Bild 3: Eingangsbereich
Um schließlich einen Akzent zu setzen, wird das leicht abgesetzte tieferliegende Dachelement der beiden Eingangsbereiche farbig behandelt.
Geeignet dafür ist ein rost-rot (RAL 030 50 50), als Lasur eingesetzt – es erinnert an die Farben der ursprünglichen Beton-Stoffe.
Gerade im Café-Bereich hat so der Besucher eine lebendige, rötliche Fläche über sich, anstatt von grauen Betonwänden umschlossen zu sein.
Dieser gezielte Einsatz von Farbe lässt die Pinakothek der Moderne viel freundlicher und abwechslungsreicher erscheinen.
Bild 4: Säulen-Detail
Durch die gezielt eingesetzten neuen Farbtöne wirkt die Pinakothek der Moderne freundlicher und abwechslungsreicher. Die Farbe unterstreicht bestehende architektonische Elemente, schafft Plastizität und macht damit das Gebäude leichter lesbar. Nach wie vor bleibt die Pinakothek der Moderne damit ein harmonisches Verbindungselement zwischen Innenstadt und den anderen Pinakotheken.

Begründung der Preiswürdigkeit (Jury)
Wenn man eine Lebendigkeit an dem Bau entdeckt, dann in der Anordnung der Säulen: Sie stehen nicht in einer geraden Reihe. Den lockeren Säulenrhythmus mit Farbe herauszuarbeiten, setzt etwas fort, das der Architekt begonnen und, so scheint es, nicht zu Ende geführt hat. Der Farbentwurf setzt konsequent an dieser Stelle an. Eine Frage, die jedoch unbeantwortet bleibt: Warum wählt die Gestalterin hier nur einen unbunten Ton (Anthrazit), und gönnt ihm nicht einen Schimmer von Farbigkeit, zum Beispiel eine tiefdunkle, vergraute Blau-Nuance?
Die Säulen „schwerer zu machen“, liegt sicher nicht in der Intention des Architekten, der die extrem disproportionierten Säulen so abstrakt dünn ausbildet, um ihnen den Anschein von Leichtigkeit zu verleihen. Dennoch: Sie tragen das Dach - und diese Funktion wird durch eine dunklere Farbigkeit unterstrichen, die sie von der Wandfläche abhebt.
Gelungen ist auch das Vorhaben, die Funktion „Eingang“ über das warme Rotbraun des Deckenelements zu steigern. Beton als eine Art Sandstein steht einer warmen rötlichen Farbigkeit ohnehin nah. Die farbige Fassung des Deckenelements greift diese „Sandstein-Atmosphäre“ auf und wirkt glaubwürdig.
Klar erkennt Frau Borchers das Problem des Bruchs in der diagonalen Wand, die sowohl dem Außen als auch dem Innen zugeordnet wird. Mit der fast deckenden weißen Lasur wird die Wand als Element des Innenraums (bzw. in diesen führend) interpretiert, was die Architektur leichter lesbar macht. Frau Borchers hat das Weiß als Farbe des Innenraums konsequent zu Ende gedacht, und das tut auch der Stimmung in dem Cafe gut, das zur Zeit noch wie ein „Cafe an der Fassade eines Bunkers“ erlebt wird. Mit der Sichtfläche der weißen Wand, die um die Ecke geht, wird zudem ein interessanter Kontrast zu den dunklen Säulen im Außenbereich geschaffen.
Die weiße Wand bleibt aber auch dem Außenraum verbunden, und macht die im Bau veranlagte Dynamik deutlich. Gerade das Element der diagonalen Wand ist es ja, das - zusammen mit der Rotunde und den trapezförmigen Treppenhäusern - die unbestreitbare Qualität des Bauwerks ausmacht. Die Farbgestaltung ist ebenso zurückhaltend wie unübersehbar, ebenso architekturbegleitend wie blickführend!
Vielleicht ist das ein Entwurf, den sogar der Architekt akzeptieren würde?



