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Architekturfarben

- den Raum gestalten, nicht nur die Fassade
- in welcher Farb-Atmosphäre wollen wir leben?


Texte und Bilder aus dem Wettbewerbsbeitrag von Ruth Hilpert

Bild 1: Grundriss

(...) Transparente lasierte Farbe durchbricht das Grau der Außenwände. Der Beton wird zum neutralen Hintergrund und lässt alle Farben neben sich aufleuchten. (...) Die Farben sind als leichte Lasuren vorzustellen, die das Material und die Struktur des Betons nicht überdecken. Die Gliederung ergibt sich aus der in Rechtecke unterteilten Fassade.

Bild 2: Diagonalwand Ansichten

Die diagonale Eingangswand und die diagonale Cafewand nehmen die Farbstimmung der Außenseiten auf...

Bild 3: Diagonalwand

... und führen sie zum Inneren des Gebäudes. Sie nehmen an Farbintensität ab, bis hin zum Weiß. Alle rechtwinklig zur Außenseite stehenden Wände bleiben in Betongrau. Die Decken sind in hellem Gelb gestrichen, ebenso die Außenseite der Kuppel.

Bild 4: Abwicklungen

Die Fassadenseiten haben verschiedene Farbstimmungen. Die kalte Nordwand mit dem Haupteingang wird durch Gelbtöne erwärmt und zum „Scheinen“ gebracht. Auf der Ostseite erblasst das Gelb und geht über in erdige Ockertöne, um dann ins Grün der Südseite zu wechseln. Grünschattierungen mit Farben aus der Natur stehen in Korrespondenz mit den großen umstehenden Bäumen. In der Westfassade spiegeln sich die Rottöne der Umgebung.

Begründung der Preiswürdigkeit (Jury)

Das Gebäude wirkt kalt und hart: Ruth Hilpert übernimmt den Versuch, mit zauberhaften, subtil ausgearbeiteten Paletten eine Atmosphäre von Sonnigkeit und Wärme zu schaffen. Eine solche Atmosphäre strahlt das Gebäude nicht aus, und sie liegt auch nicht in seiner Intention. Die zarte, feine, leichte Lichthaftigkeit der vorgeschlagenen Lasuren lässt sich mit den monumentalen Betonflächen und ihrer steinern-harten Anmutung nur schwer zur Deckung bringen. Insofern geht das Farbkonzept „über die Architektur hinweg“ und möchte ein „anderes Bauwerk“ schaffen, wahrscheinlich auch einen anderen Standort definieren.

Der Entwurf erscheint wie eine „Farbidee zur Wiedergutmachung für zu harte Betonkisten“. Er zeigt deutlich, dass die Gestalterin in der äußeren Erscheinung der Pinakothek der Moderne ein Defizit erlebt (womit sie nicht allein ist), dass jedoch die Gefahr besteht, Farbe als Instrument zu benutzen, um das, was der Architekt nicht zum Ausdruck bringen wollte oder konnte, im Sinne einer „Korrektur“ nachzuholen. Hier liegt potentiell Konfliktstoff zwischen Architekt und Farbgestalter. Gleichwohl ist auch das Bedürfnis ernst zu nehmen, den Besuchern und dem Stadtraum mit einer warmen, freundlichen Stimmung „etwas Gutes zu tun“, was sicher von vielen Bürgern honoriert würde. Der Beitrag wird prämiert, weil die nuancenreiche Abstimmung der Felder eine hohe Sensibilität zeigt, die man sich prinzipiell auch für die Pinakothek der Moderne wünscht.