Texte und Bilder aus dem Wettbewerbsbeitrag von Malwine Stettner
Bild 1: Haupteingang (Nord-West)
Bei meinem Vorschlag zur Farbgestaltung der Pinakothek der Moderne in München leitete mich der Gedanke, den Charakter des Gebäudes und die Entwurfsabsichten des Architekten auf gar keinen Fall mit auffälligen Farbflächen zu überstreichen und so eine Überlagerung zweier Absichten zu erzeugen.
Viel geeigneter erschien es mir, die architektonischen Elemente zu unterstreichen und herauszuarbeiten, ohne aber Architektur nur nachzuzeichnen. Dies versuchte ich durch den Einsatz verschiedener Schriften und Typographiemuster, die sich teilweise überlagern, so eine dichtere Farbigkeit erzeugen und so der Pinakothek eine gewisse Lebendigkeit und Spannung verleihen.
Bild 2: Haupteingang im Winter (Nord-West)
Das Benutzen von Schrift als gestalterisches Mittel taucht immer wieder in verschiedenen Kunstwerken und Grafiken auf, ist aber nie das Werk selbst, sondern ein Teil desselben. Genauso setzte ich die Schrift hier ein, sie ist nicht Hauptbestandteil, sondern Begleitung, Umrahmung, ohne die Hauptaufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Architektur bleibt das Wesentliche.
Der Einsatz einer grau-blauen Lasur (RAL 240 20 05) mit hoher Transparenz und verschieden transparentem Weiss, lassen eine edle unaufdringliche Farbigkeit aufkommen, ohne bunt zu wirken. Die blaue Lasur kommt vor allem bei der Umrahmung der Fensterfronten und bei den Kanten der Dachflächen zum Einsatz und erzeugt so eine horizontale, das Gebäude umfließende Bewegung.
Dieser Bewegung entgegen stehen die vertikalen Flächen der Eingangsschlitze zwischen den Kuben und dem Haupteingangsbereich. Hier kommt die Bewegung zum Stillstand, kehr Ruhe ein. Man betritt etwas Neues, das Innenleben. Man verlässt die laute hektische Welt draußen und tritt ein in die Welt der Kunst.
Begründung der Preiswürdigkeit (Jury)
Eine intelligente Arbeit, die das Medium Typografie als Element verwendet, um den Flächen eine gleichsam natürliche Struktur zu verleihen.Die durch die „nervöse“ Schrift herbeigeführte kleinteilige Gliederung schafft einen besseren Bezug der Pinakothek zu ihrem Umfeld – zu Bäumen und Nachbargebäuden.
Durch die Kleinteiligkeit wird dem Bau jede Grobheit genommen; die Flächen werden flirrender, das Monolithische verschwindet. Dabei wird es nicht „weggestrichen“ oder zergliedert, sondern in subtiler Weise aufgelöst.
Die Texte, die sich auf Kunst beziehen, zwingen zu hoher Auseinandersetzung mit der Außenarchitektur. Sie suchen gleichsam den Dialog, entfalten starke Auswirkung in den Freiraum.
Durch die Schrift, die mit einer Botschaft verbunden ist, wird die Funktion des Baus bereits von außen unmittelbar erlebbar. Man spürt deutlich, dass die Pinakothek der Moderne ein Museum ist – ein markantes Museum! Dabei wird die Schrift nicht als Etikett wahrgenommen, das etwas außerhalb seiner selbst bezeichnet, sondern bereits als künstlerisches Element.
Die grafische Wirkung hat bei dem Entwurf deutlich mehr Gewicht als die farbige, die durchaus steigerungsfähig ist, ohne sofort bunt wirken zu müssen. Die unbestreitbare Kühle des Gebäudes kann durch ein etwas entschiedeneres Blau klirrender und brillanter formuliert werden.
Dass im Rahmen eines Farbgestaltungswettbewerbs auch sehr zurückhaltend mit Farbe umgegangen werden kann, steht außer Frage. Doch mit RAL 240 20 05, auf grauem Sichtbeton lasierend aufgetragen, bewegt man sich nahe der Grenze des im Außenraum farblich spontan nicht mehr Wahrnehmbaren. Auch die typografische Struktur hätte etwas farbiger sein dürfen.




