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Architekturfarben

- den Raum gestalten, nicht nur die Fassade
- in welcher Farb-Atmosphäre wollen wir leben?


Aufgabe und Jury

Die Aufgabe

Gesucht wurden „Ideen für eine farbige Neufassung des äußeren Erscheinungsbildes der Pinakothek der Moderne, München, und /oder des Paul-Löbe-Hauses in Berlin.“ Die Ideen sollten eine „gestaltete Beziehung des Bauwerks zum Menschen erfahrbar machen“, aber auch eine Beziehung zur Umgebung und zum Geschehen, das in den Räumen stattfindet. Da Farbgestaltung weder Glücksache ist noch einseitig der Selbstdarstellung dient, kann man davon ausgehen, dass ein konstruktives Gespräch zwischen allen Beteiligten (Architekten, Farbgestaltern, Bauherren, Nutzern) über die Funktion von Farbe in der Architektur geführt werden kann. Darum sollte bei den Einreichungen (deren Form freigestellt war) nicht darauf verzichtet werden, „inhaltlich zu begründen, welche Aufgabe die neue Farbgestaltung an dem Gebäude übernimmt“. Es gab keine Zulassungsbeschränkungen. „Jeder kann teilnehmen, denn jeder ist kompetent, der Visionen und Ideen entwickelt und sie zur Diskussion stellt.“ Von Seiten der Architekturpresse wurde dieser „plebiszitäre Charakter“ des Wettbewerbs kritisch kommentiert (DBZ 8/2005). Denn während beispielsweise Industriedesigner die Wirkung neuer Designs auf Nutzer erforschen und die Ergebnisse bei der Gestaltfindung berücksichtigen, gilt das Befragen von Menschen, die als Nutzer und „Betroffene“ täglich Erfahrungen mit Architektur machen, eher als unzulässige Kritik und Einmischung in die Souveränität des Architekten.

Jury

Der Jury gehörten an
- Prof. Karl-Dieter Bodack (FH Coburg)
- Friedrich Erst von Garnier (Farbgestalter)
- Prof. Gerhard Meerwein (FH Mainz, Salzburger Seminare des BEF)
- Ulrich Schweizer (Chefredakteur Malerblatt)
- Martin Benad (Farbgestalter, Fachbuchautor)


Jeder eingereichte Entwurf wurde auf vier Beziehungsebenen untersucht:

- Beziehung zum Menschen: Ändert sich durch die Farbe (positiv) etwas im Verhältnis des Bauwerks zum Menschen?
- Beziehung zum architektonischen Umfeld: Ändert sich (positiv) etwas im Bezug des Bauwerks auf die räumliche/bauliche Situation, in die es eingebunden ist?
- Beziehung zum Bauwerk: Wie bezieht sich die neue Farbigkeit auf den Baukörper, sein Volumen, seine Gliederung usw.? „Hilft“ sie oder „stört“ sie?
- Beziehung zur Funktion des Gebäudes: Wird das Gebäude in seiner Funktion durch die neue Farbigkeit unterstützt?

Zu jedem Kriterium wurden Punkte verteilt. Die Gesamtzahl der Punkte aus allen vier Kriterien entschied über die Preiswürdigkeit eines Beitrags.

Jury (v.l.n.r.) Prof. Karl-Dieter Bodack, Ulrich Schweizer, Prof. Gerhard Meerwein, Friedrich Ernst v.Garnier (Foto: Martin Benad)